Damals vs. Heute

Damals vs. Heute
Juli 27, 2018 Andreas Gloge

Seht ihr dieses Bild? Cooler Typ, oder? Das fand ich auch, vor allem im Alter von 10 Jahren, als dieses Foto von mir gemacht worden ist.

Damals und Heute _ Bild zum Blogbeitrag

Ich erinnere mich, dass dieses Foto sofort eines meiner Lieblingsbilder wurde. Ich liebte das T-Shirt, ich fand das Poster cool und man beachte den Lolli, der mir in lässiger John Wayne Manier aus dem Mundwinkel ragt. Ich weiß noch genau, dass ich mir den Lolli extra nur für dieses Foto in den Mund gesteckt hatte. Denn ich war fest davon überzeugt, dass er meinen Coolnessfaktor ins Unermessliche steigern würde – was es (meiner damaligen Ansicht nach) auch zweifellos tat! Nicht die einzige Ansicht, die sich in den letzten 33 Jahren verändert hat…

 

Man(n) stand auf Autos!

1985: Ein Autoposter verlieh dem Jungenzimmer eine gewisse Aura von Abenteuerlust und Nervenkitzel! Den Fuß hatte ich zwar noch nie auf einem Pedal gehabt und wie man einen Ölwechsel macht, war mir ein Rätsel. Das Poster musste aber her!

2018: Das mit dem Ölwechsel ist mir immer noch ein Rätsel. Trotz all der Zeit, die dieses Poster in meinem Jungenzimmer gehangen hat, kann ich bis heute immer noch wenig mit Autos anfangen.  Aber wenn ich mich jetzt ad hoc für ein Autoposter in meinem Zuhause entscheiden müsste, dann vermutlich für diesen Chevrolet Impala. Ich hätte auch nichts dagegen, ihn zu fahren. Den Ölwechsel würde ich aber trotzdem von jemandem machen lassen, der sich damit auskennt.

 

Adidas geht immer!

1985: Ob T-Shirts, sehr kurze Sporthosen (die 80er lassen grüßen), Schweißbänder, Turn- oder Fußballschuhe: ich war Adidas-Kind durch und durch…

2018: Was soll ich sagen? Adidas bin ich treu geblieben, aber in den letzten 33 Jahren sind auch neue Sponsoren bei mir vorstellig geworden…

 

Bücher…

1985: Es lag immer mindestens ein Buch auf dem Nachtschrank und das bedeutete stundenlanges Lesen bis die Augen zufielen. Geschichten haben mich bereits von früh auf in ihren Bann gezogen. Meine Lieblingsbücher damals waren „Raumschiff Monitor“ von Rolf Ulrici oder auch Wolfgang Eckes Detektivromane rund um Perry Clifton und Balduin Pfiff. Sowas Fantasievolles und Spannendes wollte ich auch eines Tages mal schreiben…

2018: Was das Lesen betrifft, sieht die traurige Realität leider so aus: Die Regale sind voller Bücher, die geduldig und vergeblich seit Monaten und teilweise seit Jahren darauf warten gelesen zu werden. Aber die Augen sind müde von der vielen Arbeit am Monitor und die Abende zu kurz. Auch Netflix und Prime Video stellen mir am Ende des Tages oft ein Bein. Und dann dieses selbstauferlegte Pflichtgefühl, die Watchlist immer kleiner werden zu lassen. Es gibt einfach zu viele Geschichten unter der Sonne. Dennoch: die Bücher in den Regalen sind nun endlich nach „ungelesen“ sortiert . Ein Anfang! Ich habe nun alle im Blick… und sie mich…

 

Styling und Frisur – warum und wofür?

1985: Haare waschen und ab die Post. So einfach war das damals.

2018: Ich gestehe, hier bin ich etwas eitel. Heute würde ich mich nicht mehr ohne „ein bisschen von allem“ vor die Tür trauen (oder mit Mütze). Denn um ehrlich zu sein, die Haare sind voller geworden und so mache ich, frisch geduscht, einem Monchichi ziemlich Konkurrenz. So, das war’s, die Wahrheit ist draußen!

 

Meine Liebe zu Hörspielen

1985: Immer und immer wieder habe ich über den Kassettenrekorder oder Walkman dieselben Hörspiele rauf & runter gehört: Die ???, TKKG, Fünf Freunde, Jan Tenner, Masters of the Universe u.a. Und wehe, es gab Bandsalat…

2018: Viele Serien, die es heutzutage immer noch gibt, kann ich mir einfach nicht mehr anhören. Die Qualität der Storys und/oder der Produktion ist einfach enttäuschend. Für andere Einzelhörspiele, Audiobücher oder neue Serien fehlen mir seit einigen Jahren einfach der Zugang und die Zeit. Selbst mein Takimo-Abo habe ich zwar noch laufen, die letzten Folgen landeten aber leider allesamt ungehört im gut verschlossenen CD-Koffer. Dabei liebe ich Hörspiele nach wie vor und finde, dass sie eine faszinierende Chance sind, mit vergleichsweise geringen Mitteln (und im Angesicht der heutigen technischen Möglichkeiten) individuell erfahrbare Welten in der Fantasie zu öffnen. Daher: Wenn jemand einen Tipp für eine innovative Produktion oder einfach eine gute Geschichte hat, lass es mich bitte wissen.

 

Eine klebrige Angelegenheit

1985: „Oh, ist das ein Sticker? Her damit! Sammelalbum? Cool! Kein Sammelalbum? Egal! Ich habe doch Möbel!“ Ich beklebte alle meine Möbel (und auch die Tapete) mit Aufklebern jeglicher Art und Herkunft: Hauptsache bunt & sticky!

2018: Ich habe die beklebten Möbel mittlerweile gegen ein beklebtes Auto getauscht. Dort findet man nun die grüne Umweltplakette, das Star Fleet Logo, Stop Tihange und Neil Gaiman’s Neverwear.

 

Teppich, Teppich überall!

1985: Teppichboden war das Nonplusultra der zeitgemäßen Innenarchitektur und in jeder Wohnung zu finden: Er war weich, warm, verhinderte das Herumwirbeln nerviger Staubflocken und es gab ihn in allen nur erdenklichen Farben (und bei uns damals im ausgebauten Keller sogar an den Flurwänden hoch bis zur Decke). I know, wir Gloges waren echte Stilikonen…

2018: Parkett is the new Teppich (nur nicht die Wände hoch). Aus zahllosen Gründen…

 

Zurück zum Foto

1985: Ich mochte es zu fotografieren und ich mochte es auch, mich fotografieren zu lassen.

2018: Früher hatten Fotos noch eine andere Bedeutung. Schließlich gab es noch keine Digitalkamers und man hat daher naturgemäß und aus finanziellen Gründen seltener fotografiert. Fotografien und somit auch Erinnerungen an sich selbst, Freunde, Familie oder Erlebnisse waren somit vielleicht auch besonderer. Es gab Fotoalben, wo man sie einklebte und wenn man ein Bild verschenkte oder verlor, dann musste man es beim Fotogeschäft neu nachbestellen (wenn man denn noch das entsprechende Negativ besaß und wiederfand). Daraus erwuchs zugleich auch ein gewisser Stolz oder eine Befriedigung, wenn man auf einem Foto (zufällig mal) besonders gut getroffen war oder das Bild einfach aus welchem Grund auch immer sehr mochte.

Wie viele andere auch habe ich heute  zigtausende von Bildern auf meiner Festplatte, wild oder gar nicht sortiert und mit großem Fragezeichen dahinter, wann und wofür ich diese Bilder nochmal ordnen will.

Das ist auch aus folgendem Grund schade: Wenn ich mir dieses Foto ansehe, sehe ich einen besonderen Moment: Ich sehe eine Aufnahme dessen, was Realität war. Ich sehe einen glücklichen Jungen, der träumt, der seinen Hobbys nachgeht und der sich für diesen einen Foto-Moment, für diese zu speichernde Erinnerung in Pose wirft. Heute gehen manchmal diese Emotionen auf Fotos verloren, da man beliebig innerhalb von Sekunden Dutzende von Aufnahmen von der gleichen Pose/Situation machen kann: ein digitales Daumenkino, das den Wert des einzelnen Bildes oft ziemlich abwertet oder nichtig werden lässt.

Aus diesem Grund hat sich das Fotografieren für mich auch verändert. Ich fotografiere immer noch gerne. Aber ich möchte es bewusst tun! So wie früher. Deswegen gefallen mir auch die neuen Retro-Polaroidkameras. Du knipst das Bild, steckst es weg und siehst es dir erst später an, wenn es sich entwickelt hat. Jedes Bild kostet zudem Geld. Es kann und wird nicht perfekt sein, was die Bildqualität betrifft, aber oftmals sehr authentisch, was die Emotionalität betrifft.

Was mir aktuell besonders viel Freude macht, ist Instagram. Hier fotografiere ich sehr bewusst und selbstverständlich digital mit dem Handy, mache mir Gedanken, bin spontan und betrachte die Insta-Fotogalerien wie eine Leinwand des eigenen Lebens, die mit einem wachsen und sich verändern und die bei mir nie ohne ein paar Worte auskommen darf.

Wer Lust hat, der schaut sich meine Leinwand einmal an: www.instagram.com/andreasgloge/

 

It's just me (or at least a 21st century version of me)

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