365 Deeprock – Teil 5

365 Deeprock – Teil 5
Dezember 19, 2018 Andreas Gloge

Teaserbild zum 5. Teil der Online Serie Deeprock von Andreas Gloge

 

245 Der Falterpark

Der Falterpark wird von zahllosen Rondellen durchzogen, die Heim für unzählige Schmetterlingsvölker sind. Viele Bewohner reagieren äußerst allergisch auf die exotische Pflanzenwelt. Aedan Drachensohn jagt hier seit kurzem nach einem seltenen Nachtschattenfalter, den er Zubarah versprochen hat – im Gegenzug für einen Zauber. Dabei hat er die Neugierde von Lady Madeleine geweckt, die hier oft zur Dämmerung spazierengeht.


246 Die platten Ratten

Dort, wo besonders blutiges Fleisch entsorgt wird, sammeln sich schnell die platten Ratten. Flach wie Pergament erinnern sie an verdorrte Blätter – nur mit Fell, Zähnchen und Rattenschwanz. Sie können durch engste Schlitze gelangen und sind kaum zu fangen. Sobald sie genügend Blutfleisch verspeist haben, ploppen sie auf zu normaler Rattengestalt. Dann ziehen sie ins nächste Viertel, bevor die Vertilger Witterung aufnehmen.


247 Narbenknut

Er stinkt. Er lispelt. Er kommt aus der Gosse. Aber er mag die Gosse. Für einen Krug Bier oder einen wurmfreien Laib Brot würde Narbenknut bedenkenlos Kehlen durchschneiden. Kein Wunder, dass die Bardin ihn ausgerechnet im Hahnenschrei anheuert. Da Narbenknuts Gedächtnis ebenso beschränkt ist wie sein Verstand, hat die Bardin ihm auch gleich ein detailgetreues Porträt der Zielperson gezeichnet, mit Pfeil auf dessen Kehlkopf.


248 He und Ho

Dieses unzertrennliche Paar lebt glücklich in der Klosterweide nah der Schlucht von Ghor in ihrer heimeligen Hütte. In das behütete Refugium inmitten immerblühender Weiden dringen weder Gesänge aus der Kathedrale noch das wirre Gelächter aus dem Kloster des Konfusius. Alles ist friedlich hier – und die Zeit verliert an Bedeutung. Beschützt wird die Klosterweide von Oma Heise, deren Nähgarn eine Grenze gegen alles Böse spinnt.


249 Das Zepter der Cliffords

Was unter den wenigen noch lebenden Historikern als Zepter der Cliffords bekannt ist, war der Legende nach ein gewaltiger Streitkolben in Form eines gezackten Blitzes. Er vermochte jeden Sterblichen mit der Urgewalt eines Orkans niederzustrecken, so sagt die Überlieferung. Doch ging das Zepter auf der Überfahrt von den Namenlosen Inseln verloren und sein Mythos verblasste. Ob es womöglich irgendwann wiederauftauchen wird?


250 Die Warteschlange

Kaum einen Meter lang ist sie, mit bläulichen Schuppen und winzigen Giftzähnen, die dafür nadelspitz sind und härter als Diamanten. Die Warteschlange hat Geduld. Ihr bevorzugtes Habitat ist der Aderlass, doch wagt sie sich auch an Land, wo es nass und feucht ist. Die Warteschlange verschmäht nichts und niemanden. Sie wird von Stress und hohem Pulsschlag angezogen. Wer entspannt durchs Leben geht, hat wenig vor ihr zu befürchten.


251 Tiegel Haemisch

Der schmächtige, jüngere Bruder von Kessel Haemisch lebt vom Lügen und ist mal wieder Gefangener im Kerker. Sein spitzes Ziegenbärtchen ist immer gut getrimmt, sein schütteres Haar stets fein gekämmt. Tiegel verträgt weder Alkohol noch Gebrüll. Aber er verträgt Goldstücke und schmeichelnde Worte. So weiß er den überraschenden Besuch einer Dienerin aus der Schar der Herzdame sehr zu schätzen. Ihr Angebot klingt gar nicht übel.


252 Die Kalten Kristalle

Aus dem Harz der Kristallbäume im Himmelspark lässt sich eine überaus potente Substanz gewinnen. Über einer blauen Flamme erhitzt und mit zwei weiteren Extrakten vermischt, formt sich das Blut der Bäume zu einem Kalten Kristall. Wer diesen kaut, vermag den eigenen Körper für kurze Zeit in Geistform zu verlassen. Doch jeder Kalte Kristall fordert auch seinen Tribut und lässt den Kostenden nach und nach brüchig und gläsern werden.


253 Xaara

Die zierliche Meerjungfrau wurde aus den Tiefen des Ozeans von den Klängen der Hafenspielerin angelockt. Seither verweilt sie in Hörweite der knarrenden Wracks, die wurm- und gischtzerfressen am Kai vor sich hin rotten. Eigentlich suchte Xaara nach ihrer verschollenen Schwester, die einst von einem Fischer gefangen wurde. Doch nun ist sie dreigeteilt zwischen zwei Lieben und ihrem unstillbaren Hunger nach Menschenfleisch.


254 Die Halslunken

Diese schattenhafte Bande von Halsabschneidern treibt sich im Nordviertel herum. Ihr Markenzeichen sind die Schlingen, die sie ihren Opfern in Windeseile um die Hälse werfen und dann zuziehen. Während die Beute hilflos um ihr Leben zappelt, werden von flinken Fingern Taschen und Geldbörsen geleert. Niemand hat sich bis heute an die Gesichter oder Stimmen der Halslunken erinnert. Einzig der Geruch nach Minze ist unbestritten.


255 Die Herbstzeitlose

Die Herbstzeitlose kleidet sich ausnahmslos in fliederfarbene Seide. Ihre Bewegungen sind von besonderer Anmut und ihre Stimme ist so sanft wie der Morgentau. Sie kennt die Zauber der Namenlosen Inseln und ist der festen Überzeugung, den Nebel vertreiben zu können, indem sie die Linie der Cliffords für immer auslöscht. So plant sie, Burg Clifford mit Drachenfeuer zu schmelzen – wofür sie die Hilfe von Aedan Drachensohn braucht.


256 Das Unbestellte Feld

Fruchtbare Felder für Ackerbau sind rar. Umso wertvoller ist die Felsenschlucht im Süden der Stadt, die alle nur das Unbestellte Feld nennen. In neblige Schatten getaucht entspringt hier mit jedem Tagesanbruch reifes Obst und Gemüse. Niemand hat die Saat gelegt. Niemand weiß, was dort am nächsten Morgen wachsen wird. Doch nimmt keine Hand mehr vom Feld, als die Finger ohne Hilfsmittel halten können – oder die Finger zerfallen…


257 Der Vergessene Erfinder

Lebt er noch oder ist auch er nur Asche im Feuerbrunnen von Ghor? Niemand weiß es, denn niemand kennt Namen, Antlitz oder Geschlecht des Vergessenen Erfinders, der die Vertilger, den Seelentauscher und viele andere rätselhafte Apparaturen erfunden hat. Deshalb spekulieren nach wie vor viele Bewohner wie Morigath Feuerarm oder Balthasar Krumm auf die Gunst des Erfinders und hinterlassen ihm Botschaften in der Bernsteinallee.


258 Der Thron der Zähne

In einem verschlossenen und von Spinnenweben und Kellerasseln durchtränkten Saal steht in Burg Clifford ein mannshoher Thron aus menschlichen Zähnen. Nachts knirscht er leise, tagsüber malmt er und zwischendurch bewegt er sich leicht, so als würden die vergessenen Kiefer in seinem Inneren erwachen und sich nach Äonen des Schlafs wieder öffnen wollen. Einzig und allein die Herbstzeitlose kennt das wahre Geheimnis des Throns.


259 Mecha Barnes

Mecha wurde mit steifem Bein geboren und als Kleinkind im Nordviertel ausgesetzt. So kam das Mädchen zu Fräulein Leise ins Leisenhaus und wuchs dort zu einer verschlossenen Einzelgängerin und Dienerin heran. Auf ihren einsamen Botengängen fand sie in der Bernsteingasse einen geheimen Zugang zu einer Grotte. Sie stieg die Stufen hinab und entdeckte ein riesenhaftes Laufgerät mit zwei metallenen Beinen und stählernen Krallen.


260 Das Troll-Gnoll-Osseum

Vor einer gewaltigen Steilwand im Nordviertel erhebt sich das Troll-Gnoll-Osseum. Hier herrscht inmitten hoher, blutverkrusteter Steinpalisaden allwöchentlich Heulen und Zähneklappern durch feuchtfröhliches Einander-Totschlagen. Alles ist erlaubt, bei „Trolle gegen Gnolle“, während aus einem Loch in Fels stets neuer Nachschub sprudelt. Die Ränge sind immer gut gefüllt und die Wetten lassen die Münzbeutel klingeln.


261 Der feiste Kaufmann Glunder

Feist und eklig mutet die unförmige Gestalt des Kaufmanns Glunder an, wenn dieser in wallende Tücher gekleidet auf käseweißen Beinchen durch sein Anwesen im Südviertel wankt. Das Doppelkinn reicht ihm bis zur hängenden Brust und der Kelch in seiner Hand ist immer gefüllt, so wie der Keller voller Schätze und Sklaven. Womit genau der Kaufmann Glunder seinen Reichtum anhäuft – und bewacht – ist selbst den übelsten Seelen ein Rätsel.


262 Elementarfeen

Ihre Vorfahren, die gottgleichen Elementare, ließen Vulkane ausbrechen und jagten Orkane über das Land. Doch fielen sie schließlich der eigenen Missgunst zum Opfer und vernichteten sich selbst. Es heißt, ihr letzter Todeshauch veränderte die Welt… Nur die winzigen Elementarfeen kennen heute noch die Wahrheit und schweigen. Ihre Kräfte beschränken sich auf das Verteilen von Tautropfen oder die sanfte Brise in deinem Haar.


263 Der klimpernde Geier

Dass der Geier unter seinem mottenzerfressenen Anzug ein Paar krumme Geierflügel besitzt, ist kein Geheimnis. Zu bekannt ist der Freund von Bock-Bock, dem Wirt der Spelunke „Zum Hahnenschrei“. Regelmäßig klimpert die hagere Gestalt mit der Hornbrille und dem krausen Haar auf dem Hühnerknochenklavier allzu krude Melodien. Doch so schief die Lieder des Geiers auch klingen, so tief pflanzen sie sich in die Träume der Trinkenden.


264 Die Bibliothek der Cliffords

 

 

It's just me (or at least a 21st century version of me)

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