365 Deeprock – Teil 4

365 Deeprock – Teil 4
Dezember 19, 2018 Andreas Gloge

Teaserbild zum 4. Teil der Online Serie Deeprock von Andreas Gloge

 

184 Das Vergessmichviertel

Nirgends ist der Nebel so dicht wie hier. In den verschleierten Gassen ist jedes Geräusch gedämpft und manchmal verblassen in den Köpfen der Anwohner für kurze Zeit gar die Erinnerungen an den Rest der Stadt. Es ist das verschwiegenste Viertel von Deeprock und daher auch das der verbotenen Treffen, der lautlosen Geschäfte und der heimlich Verliebten, die sich versonnen ewige Treue zuflüstern, sofern sie diese nicht vergessen…


185 Lord Yuhen Clifford

Obwohl äußerlich jung ist der Herr der Stadt älter als die Stadt selbst. Er kam mit dem ersten Schiff – und er kann nicht sterben, solange das Herz von Deeprock noch schlägt. Jeden Abend steht er auf dem höchsten der sieben Burgtürme und starrt durch den Nebel in Richtung der erloschenen Leuchtfeuer. Lord Yuhen tötete jeden in seiner Familie mit eigener Hand. Doch noch immer fehlt ihm die letzte Wahrheit über den nahenden Untergang…


186 Die Sekte der Zweigesichter

Deeprock ist ein Ort der Verschwörungen und Verbrechen. Verrat und Intrigen sind ebenso an der Tagesordnung wie Diebstahl und Mord. Die Sekte der Zweigesichter hat es sich zur Aufgabe gemacht, die intrigantesten Betrüger und Ränkeschmiede ausfindig zu machen und deren Gesichter mit flinker Klinge und bleibender Narbe sprichwörtlich zu zweiteilen – ohne dabei zu töten! Allein die Stigmatisierung der Sünder ist ihnen wichtig.


187 Graf Schaf

Der einstige Grafensohn hatte sich in eine hübsche Schneiderin verliebt, doch kamen sie kurz vor ihrer Vermählung tragischerweise der Herbstzeitlosen in die Quere. Seither irrt die Schneiderin kopflos umher und er selbst mit wolligem Schafsgesicht… Wobei der Graf nur noch in Reimen spricht, die auf –af enden. So sucht der traurige Schafskopf nach Hilfe und hofft auf Wanda Wolkenbäuerin, die ihn jüngst beim Weiden erwischte.


188 Das Fest der geschlossenen Lider

Alle siebzig Tage, sobald die Glocke zum Abend hin siebenmal schlägt, wird der Glockenplatz im Ostviertel gesperrt und verbarrikadiert. Die begehrten Einladungen stammen seit jeher von einer unbekannten Gastgeberin und sind befremdlich parfümiert. Alle Feiernden tragen Masken ohne Augenschlitze. Die Instrumente werden blind gespielt, und es wird blind getanzt, gegessen, getrunken, geküsst und zuweilen auch gestohlen.


189 Fabbu Fabsen

Nahezu alle Eltern schicken ihre Kinder so früh wie möglich ins elterliche Gewerbe, wo diese die Schule des Lebens durchlaufen. Doch gibt es auch eine richtige Schule in Deeprock und zwar im Zypressenviertel. Hier unterrichtet Fabbu Fabsen die Zöglinge der Reichen. Der fröhliche Rotschopf verfügt über ein Achteramulett aus dem Viertel der Acht, womit er sich tagsüber achtteilen kann: ein Lehrer für jeden der acht Klassenräume.


190 Die Gerüchteküche

Niemand, fast niemand, weiß, dass die Gerüchteküche überhaupt existiert. Und nur Gerüchtekoch Papperlappus kennt den geheimen, dezent nach Lügen duftenden Zugang im Dreiviertel der Dreierleier. In einem riesigen Bottich mischt der Eigenbrödler den neuesten Klatsch und Tratsch sowie Rufmorde und Lobhudeleien zusammen. Über Schornstein und Abwasser gelangen die Gerüchte dann mitten in die Stadt – ganz im Sinne der Dämonin.


191 Asako Okasa

Der wortkarge Medikus lebt und behandelt im schattigen Vergessmichviertel. Asako Okasa vertraut auf die Macht der glühenden Nadeln. Er weiß so gut wie jedes Leiden zu lindern – und arbeitet ausschließlich für Gegenleistungen. In einer geheimen Kammer hinter dem Behandlungsraum ruht auf einem Alabaster-Altar der legendäre Kelch aller Namen. Doch die Ungeduld nagt an Asako und schon bald erfüllt sich sein grausiges Schicksal.


192 Die singenden Hermeline

Hörst du das Lied der Hermeline,
wenn sie durch den weißen Klippennebel schleichen?
Sie singen für die, denen das Herz schwer geworden ist.
Fühlst du die Nähe der Hermeline?
Sie schleichen sich zu denen, deren Herzen bluten.
Flüstern, Wispern, Zischen, Kratzen –
kalte Lieder für erkaltete Hoffnung.
Bist du bereit für das Lied der Hermeline?
Sie nehmen dich mit in das Land aus Weiß,
wenn dein Puls den Strophen ohne Klang anheimfällt.


193 Alurin

Der dreiköpfige Echsenmann wurde von der Dämonin einst als Echsenbaby aus dem Aderlass gefischt. Nun ist er der Torwächter an ihrem Palast im Dreiviertel der Dreierleier. In seinen Pranken schwingt er eine mannshohe Hellebarde. Ein Kopf speit Säure, der zweite Feuer, der dritte spricht mit gespaltener Zunge. Alurin ist der Dämonin treu ergeben. Seine einzige Schwäche ist Eschwurzel-Lakritze, die ihn immer schnell müde macht.


194 Das Theater der Abgedankten

Folge dieser einen engen Gasse im Dreiviertel der Dreierleier, durch die sich immer nur eine Person nacheinander hindurchzwängen kann. Am Ende erwartet dich eine Tür, aus der das verwitterte Auge eines Wasserspeiers glotzt. Küss es dreimal! Das Theater dahinter besteht aus einem einzigen runden Saal. Hier wirst du selbst zum Spieler – mit den anderen Verstoßenen, Verzweifelten und Verendenden. Die Stücke sind blutig und kurz.


195 Cortax Corux

Rau heult der Klippenwind durch das Nordviertel. Nirgends würde ein Zwerg wie Cortax Corux sich wohler fühlen. Der meisterhafte Tierpräparator haust in einer Grotte, die von unzähligen ausgestopften Tieren und Kreaturen bevölkert wird und wo der Geruch der Chemikalien die Augen tränen lässt. Dort nimmt Cortax auch Aufträge von untröstlichen Witwen und Waisen an, selbstredend unter dem Mantel zwergischer Verschwiegenheit.


196 DeMooc

Der allseits beliebte DeMooc betreibt das einzige Lichtundschattenspielhaus der Stadt. Hier finden tägliche Schattentheater-Vorstellungen statt, die zugleich wie Abbilder des wirklichen Geschehens in Deeprock anmuten. Vielen Einflussreichen ist dies selbstredend ein Dorn im Auge. Aber DeMooc interessiert das wenig. Er wartet seit Jahren Tag für Tag nur auf einen besonderen Gast: seine verlorene Jugendliebe Tinarwen.


197 Die Scherbenschergen

Die kleinen Scherbenschergen sind allenorts gefürchtet, verfügen die heimtückischen Diebe doch über die Kraft, sich innerhalb weniger Augenblicke zwischen gesplitterten Fenstern und Spiegeln quer durch die ganze Stadt zu bewegen. Weil die Scherbenschergen dabei aber einen Teil von sich als Scherbe zurücklassen müssen, sind ihre Kräfte begrenzt. Ihre ärgsten Widersacher in der Unterwelt sind die Teufel des Fahlen Engels.


198 Hopplastilz

Kinder lieben ihn. Die Senilen auch. Sein Kichern ist überaus ansteckend, obgleich er dabei den Duft nach faulen Eiern verströmt. Abgesehen vom Viertel der Acht traut sich der freche Kobold in jeden Winkel der Stadt. Angeblich ist er sogar schon die Mauern von Burg Clifford emporgekraxelt und hat Lord Yuhen durch ein Fenster zugewunken. Doch nun heißt es, die Dämonin habe vor wenigen Tagen ein Kopfgeld auf Hopplastilz ausgesetzt.


199 Der schwirrende Friedhof

Wo nah den Südklippen einst Grabsteine und Mausoleen aus dem Nebel ragten, blühen jetzt unzählige Pusteblumen. Seltsamerweise verirrt sich seither kein Nebelschleier mehr hierher, doch die Luft ist erfüllt vom niemals endenen Schwirren der Pusteblumenschirmchen. Der einzige Friedhof Deeprocks wurde seinerzeit von Lord Orrgen Clifford aller Gebeine entledigt. Alle Überreste wurden in den Feuerbrunnen von Ghor geworfen.


200 Die 365 Stufen

In den Gewölben von Burg Clifford gibt es eine Treppe, deren 365 Stufen durch die Dunkelheit abwärtsführen – tiefer und tiefer bis zum Herzen von Deeprock. Jede Stufe stellt eine Frage. Jede Antwort zerrüttet den Geist. Nacht für Nacht hält Lord Yuhen Wache am Kopf der Treppe und lauscht hinab. Er kennt jede einzelne Frage. Er fürchtet jede einzelne Antwort. Er weiß, dass er diesen Weg eines Tages zu gehen hat. Oder die Eine wird es tun.


201 Thurgard Leon

Der Oberste der Alchimisten hat einen Blutschwur geleistet, den ewigen Nebel für immer aus Deeprock zu vertreiben. Da seine alchimistischen Forschungen an ihre Grenzen stoßen, hat Thurgard jüngst die von ihm verhasste Magie in seine Studien einfließen lassen. Er hat das Horn der Bardin in seinen Besitz gebracht und Kontakt zu Klingsor aufgenommen. Nur seine Tochter Kara ahnt davon und schmiedet einen selbstmörderischen Plan.


202 Das Poesiezimmer

 

 

It's just me (or at least a 21st century version of me)

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